Ein Schweizer Diplomat in Nordkorea

Thomas Fisler lebt in Nordkorea. Seit vier Jahren leitet er das Büro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Pjöngjang. Jetzt wird der Diplomat pensioniert. Ein Leben im Ruhestand in der Schweiz kann er sich aber nicht vorstellen.

«Warum glauben die, dass wir das glauben?», fragt Thomas Fisler und schüttelt den Kopf. Nach vier Jahren in Nordkorea gerät er immer häufiger ins Grübeln. Er werde das Land nie verstehen, sagt der gelernte Maurer, der sein Leben lang durch die entlegensten Winkel der Erde gezogen ist. Als Diplomat ist er es gewohnt, den pompösen Schau-Veranstaltungen des nordkoreanischen Regimes beizuwohnen und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Doch eines hat er nie aufgegeben: «Man muss immer wieder Fragen stellen», sagt er. Doch auf viele Fragen bekam er in den vier Jahren nie eine schlüssige Antwort.

Beklagen will sich Thomas Fisler nicht über sein Leben in der abgeschotteten Diktatur der Kim-Familie. Hinter den Mauern des diplomatischen Bezirks lässt sich auch in Nordkorea gut leben, mit harter Währung in den Taschen sowieso. Denn trotz Wirtschaftssanktionen sind die Regale der Einkaufsläden von Pjöngjang erstaunlich voll. Manchmal fehle zwar das eine oder andere Produkt für ein paar Wochen. Man müsse eben immer flexibel bleiben, sagt auch seine Frau Hilda. Frisches Gemüse pflanzt die gebürtige Kamerunerin selber an in ihrem Gewächshaus im Garten. Es ist ein guter Zeitvertreib, denn viel zu tun gibt es nicht in der Freizeit in Pjöngjang.

Reporter Pascal Nufer hat Thomas Fisler in Pjöngjang, der letzten Station seiner Karriere bei der DEZA, besucht. Nach Ländern wie Nepal, Pakistan oder Myanmar war Nordkorea sozusagen die Krönung seiner Laufbahn. Doch eines sei klar für ihn: «Irgendwann wird auch dieses Land nicht mehr so sein, wie heute», sagt er.

Meine Brüder und Schwestern in Nordkorea – Dokumentation

Wer weiß schon außerhalb des Landes wirklich etwas über Nordkorea? Was wir von diesem abgeschotteten Reich zu sehen und zu hören bekommen, ist immer das Gleiche: Militär-Paraden mit Panzern und Raketen, Soldaten und Soldatinnen, die wie Roboter marschieren, Kriegsdrohungen, Hungersnöte, abgemagerte Kinder und nicht zuletzt drei Generationen von scheinbar wahnsinnigen Diktatoren und eine ihnen hysterisch huldigende Gefolgschaft. Ausländer, die nach Nordkorea reisen, verstehen die Menschen nicht. Die in Korea geborene deutsche Filmemacherin Sung-Hyung Cho spricht ihre Sprache, aber auch ihr ist das Land, der nördliche Teil ihrer Heimat, fremd.
Cho, Regisseurin von Heimatfilmen besonderer Art (“Full Metal Village”), hat sich diesmal auf eine eindrucksvolle Reise zur Erkundung dieser ihr fremden nordkoreanischen Heimat begeben. Die Menschen, denen sie auf dieser Reise begegnet – darunter Soldatinnen, Bauern, Näherinnen, ein Ingenieur und seine Familie – sind keine Zufallsbekanntschaften, sondern wurden vom Regime ausgesucht. Trotzdem entsteht durch die aufrichtig interessierten, respektvollen Fragen von Cho im Gespräch eine berührende Nähe, die einen Einblick gewährt hinter die Klischees und die – in den Industriezentren – protzige Propagandafassade einer uns verschlossenen Lebenswelt. Der Blick der Regisseurin ist frei von jeglicher Wertung.
So kommt ein Volk zum Vorschein, dessen Liebe zu “seinem Führer” uns mehr als einmal sonderbar erscheint, das seine Wünsche und die sehnsuchtsvolle Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der beiden Koreas aber noch längst nicht aufgegeben hat. “Kommen Sie und suchen Sie nach uns”, bittet am Ende die strenge Matriarchin die Autorin Sung-Hyung Cho.

Min-Hae aus Nordkorea – Gesichter der Verfolgung

Statt Spielen kennt Min-Hae als Kind nur eines: harte Arbeit und Hunger. Das umsorgte Nesthäkchen sieht die Familie leiden, will helfen und geht heimlich nach China. Ahnungslos gerät das junge Mädchen in die Fänge von Menschenhändlern. Sie tut alles, um zu fliehen. Doch der Schmerz verfolgt Min-Hae. Wird sie jemals wieder glücklich nach Hause zurückkehren?